Die Krankenversicherung in Deutschland – ein Erfolgsmodell seit 132 Jahren

Die Krankenversicherung in Deutschland ist das älteste Krankenversicherungssystem der Welt und geht auf die im Jahr 1883 erlassenen Gesetze von Otto von Bismarck zurück. Die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) gehört dabei seit mehr als 130 Jahren zu einer starken Säule des heute zweigliedrigen Sozialversicherungssystems, das in gesetzliche und private Absicherung aufgeteilt ist. Die gesetzlichen Krankenkassen bieten u.a. Leistungen wie Behandlung im Krankheitsfall, bei Mutterschaft und üblicherweise auch nach einem Unfall. Private Versicherungen (PKV) sind historisch parallel zu den gesetzlichen Kassen entstandene, privatwirtschaftliche Unternehmen und werden heutzutage durch das Versicherungsvertragsgesetz reguliert. Private Kassen erbringen im Vergleich zu den gesetzlichen Krankenkassen zwar häufig deutlich mehr Leistungen (z.B. Zahnzusatzversicherungen), können Versicherte aber nach einem Auswahlverfahren auch ablehnen.

Gesetzlich oder privat in Deutschland versichert?

Seit 2007 bzw. 2009 besteht eine Krankenversicherungspflicht in Deutschland und die Versicherten verteilen sich zu rund 90 Prozent in gesetzliche Krankenversicherung (GKV) und knapp 11 Prozent in private Krankenversicherung (PKV) auf (Stand 2015). Zahlreiche Unterschiede zwischen den beiden Systemen machen stets einen gründlichen, individuellen Vergleich der verschiedenen Versicherungsangebote notwendig. Dies gilt besonders beim Wechsel innerhalb eines Versicherungssystems, aber auch beim Wechsel zwischen den beiden Systemen.

Die privaten Krankenkassen bieten neben Voll- auch Teil- und Zusatzversicherungen an. Vollversicherte erhalten oft Leistungen über dem der gesetzlichen Versicherungen. In manchen Fällen können diese Tarife aber bisweilen teurer als eine GKV-Absicherung sein und dennoch weniger Leistungen bieten. Hingegen werden private Zusatzversicherungen wie z.B. Zahnzusatz– und Auslandskrankenversicherungen auch von gesetzlich Versicherten zunehmend in Anspruch genommen.

Die PKV – das müssen Verbraucher wissen

Wer als Versicherungsnehmer von der gesetzlichen in eine private Versicherung wechseln will, muss mit seinem Jahresbruttoeinkommen die jährlich neu verhandelte Jahresarbeitsentgeltgrenze erreichen und sich einer Gesundheitsprüfung unterziehen. Diese zusammen mit dem Alter der Verbraucher sowie weiteren Faktoren ergeben die individuelle Versicherungsprämie des Versicherten.
Die private Krankenversicherung ist besonders attraktiv für Beamte sowie andere Personen mit Anspruch auf Beihilfen. Auch Angestellte und Selbständige, deren Bruttoeinnahmen über der Jahresentgeltgrenze liegen und die von der Versicherungspflicht befreit sind, können Mitglied einer privaten Krankenkasse werden. In einigen Fällen ist die private Krankenversicherung auch für Studenten sowie geringfügig verdienende Hausmänner und-frauen sinnvoll, wenn beispielsweise Eltern oder Partner Mitglied einer privaten Krankenkasse sind. Verbraucher sollten sich in so einem Fall jedoch vorab gründlich informieren.

Für wen ist die private Krankenversicherung ein Nachteil?

Die PKV bietet im Vergleich zur gesetzlichen Krankenkasse keine kostenfreie Familienversicherung an – die Mitglieder einer Familie müssen sich alle individuell absichern, unter Umständen auch bei unterschiedlichen Versicherungsunternehmen.

Bei Eintritt in die GKV entfällt das Mindesteinkommen, das neben der Gesundheitsprüfung maßgeblich für die Aufnahme in die PKV wäre. Dies bedeutet auch, dass sich für Versicherungsnehmer ab 55 Jahren eher die GKV eher als die PKV lohnt, denn in der privaten Absicherung können Beiträge zum Teil stark ansteigen und zur Belastung werden. Bei einem Wechsel innerhalb der PKV-Tarife droht zudem in einigen Fällen der anteilige oder volle Verlust der sogenannten Alterungsrückstellungen. Diese werden in der Versicherungszeit sukzessiv aufgebaut und sollen die Mehrkosten der Versicherten in zunehmendem Alter abdecken. Dadurch wird ein unzumutbarer Anstieg der Tarifbeiträge verhindert. Fehlen die Altersrückstellungen oder fallen sie bei einem Tarifwechsel innerhalb des PKV-Systems weg, kann dies einige Versicherte in ernsthafte finanzielle Schwierigkeiten bringen.

Der Weg für einen Wechsel aus der GKV in die PKV ist dann aber bereits aus Altersgründen für die Mehrheit versperrt – andersrum kann der Wechsel von der gesetzlichen in die private Krankenkasse aus gesundheitlichen Gründen ebenfalls nicht mehr möglich sein. Versicherungsnehmer sollten sich daher bei Eintritt in das private System bewusst machen, ob sie die Entscheidung bis ins Alter tragen können.